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Es war vor langer Zeit
eine Stadt. Ihr Name war Silena. Sie hatte Mauern und Türme. Die Menschen von
Silena sprachen: "Wovor sollen wir uns fürchten? In den festen Mauern
unserer Stadt fühlen wir uns sicher." Doch eines Tages geschah es. Die Menschen
von Silena erschraken. Das Tier im See vor der Stadt rührte sich wieder. Lange
hatte es geschlafen. Doch jetzt war es aufgewacht. Mit seinem Schwanz peitschte
es das Wasser. Die Wellen schlugen bis an die Mauern der Stadt. Das Tier war
hungrig. Es forderte Nahrung. "Was sollen wir ihm geben?", fragten
die Menschen den König. Er aber antwortete: "Gebt ihm, was es verlangt!
Stellt es zufrieden! Wenn es satt ist, wird es uns in Ruhe lassen." Da
schleppten die Menschen alles herbei, was sie hatten. Sie warfen es dem Tier in
den Rachen. Sie suchten seinen Schlund zu füllen, sein Maul zu stopfen. Aber
das Tier war unersättlich. Seine Gier wuchs von Tag zu Tag. Lebendiges wollte
es nun haben, Schafe, jeden Tag zwei. "Wie soll das noch enden",
klagten die Menschen von Silena. Als alle Vorräte aufgebracht, alle Schafe
geopfert waren, war das Tier immer noch nicht satt. Sein Hunger war größer denn
je. Die Menschen eilten zum König. Sie erzählten ihm ihre Not. "König, was
sollen wir tun?", fragten sie. Der König aber gab zur Antwort: "Gebt
dem Tier Menschen!" Und das Los entschied, wer geopfert werden sollte. Ein
Mann, eine Frau, ein Junger, ein Alter. Trauer erfüllte die ganze Stadt. Es war
ein Weinen und Klagen. Eines Tages geschah es. Das Los fiel auf die Tochter des
Königs. Sie sollte dem Untier geopfert werden. Der König war untröstlich. Er
klagte und weinte jetzt mit den Menschen der Stadt. Er hätte alles Gold und
Silber gegeben, um seine Tochter zu retten. Die Menschen aber blieben hart. Sie
sagten: "Erfülle auch du das Gesetz, das du uns gegeben hast." |